Sonntag, 4. Januar 2009

Dreisprung

So ganz und gar danben lag ich mit der Annahme, es sei am Sonntag um fünf Uhr früh nichts los. Gut in der U-Bahn (es muss die erste gewesen sein) waren wirklich wenig Leute. Aber beim Anmarsch zum Airport Bus begleiteten mich mehrere potentielle Passagiere und das dumpfe Grollen unserer Trolleys bildete für die Anrainer bestimmt kein angenehmes Konzert. Am Westbahnhof standen so viele Leute, dass um fünf vor fünf ein wenig Nervosität aufkam, als der Bus noch immer nicht da war. Bei minus vier Grad zitterten die Glieder bestimmt nicht nur wegen der Kälte und das Verladen des Gepäcks dauert seine Zeit. Die Verspätung war aber dann bereits am Südbahnhof wieder aufgeholt und dann ging es Schlag auf Schlag. An neuen Self-Check-In Schaltern/Automaten gab es die Bordkarte. Für das Gepäck muss man sich nach wie vor anstellen. Um kurz nach acht Uhr war ich bereits in Frankfurt und dort strömten mehr Menschenmassen als auf der Mariahilfer Straße zu Weihnachten!
Müdigkeit verspüre ich keine. Die Nacht war natürlich entsprechend kurz. Um Mitternacht zwang ich mich ins Bett um mich dann von einer auf die andere Seite zu wälzen. Immer wieder öffne ich die Augen und musste an der Stellung der Sterne feststellen, dass noch kaum Zeit vergangen war. Mit drei gestellten Weckern sollte es doch möglich sein, nicht zu verschlafen. Um zehn Minuten nach vier weckte mich dann schließlich das Mobiltelefon mit dem Ton des Kalenders. So geht's auch,
Auf jeden Fall war es eine unruhige Nacht. Mehrmals stehe ich auf um noch weitere Dinge einzupacken. Die Gedanken im Halbschlaf kreisen um alles Mögliche. Wieder fallen mir vergangene Erlebnisse ein, Erinnerungen an das Gefühl einen neuen Ort zu betreten, ihn zu erkunden, auf fremde Kulturen zu treffen. Mit ein wenig Geld ist das heute ja sehr einfach und trotzdem für jeden aufregend.
In den Träumen, soweit ich mich erinnere, sind immer wieder die bisherigen Erfahrungen eingeflossen. Erfahrung, die Langstreckenflüge betreffen. Von der unglaublichen Enge, dem Fliegen an sich und seinen Gefahren. Immerhin ist es ein Transatlantikflug. Immer wieder schleicht sich bei mir das Gefühl ein, etwas falsch zu machen. Nachdem ich in Frankfurt genügend Zeit hatte, nicht nur um mich zu Orientieren, sondern eben auch frühzeitig einzuchecken, entschied ich mich für einen Gangsitz. Bei einem Langstreckenflug mag das durchaus Sinn machen, niemand stören zu müssen, wenn man einmal aufstehen will. In meinem Fall ist das einfach falsch. Ich kann es doch niemals lassen aus dem Fenster zu schauen. So oft es geht. Und hocken bleiben tue ich üblicherweise auch mehr als meine Sitznachbarn. Diesmal war es nicht so schlimm. Ein aus der Nähe Stuttgart stammender Autohändler (nein, nicht Mercedes, egal) eignet sich gut, um ein Schwätzchen zu halten und die ersten Tobago Insider Informationen einzuholen. Dessen Bekannte ist nach Tobago ausgewandert und betreibt eine Pension... Von ihm erfahre ich, dass an einem ganz bestimmten Strand immer sonntags die so genannte Sunday School veranstaltet wird. Nachdem heute für mich der einzige Sonntag ist, muss ich da hin (schon wird wieder klar, dass die Zeitverschiebung nach Westen für mich kein Problem ist).
Wie mit einem Sportflugzeug erfolgt der Anflug auf Tobago. Offensichtlich ein Anflug nach Sicht, denn in der Linkskurve vor dem Aufsetzen ist in dem schmalen Seeschlitz, der mir zu Verfügung steht, sehr lange die Landebahn in Sicht.

Wie ein Dreisprung also gestaltet sich die Anreise. Bus-Flug-Flug. Der letzte Sprung ist der Größte und endet im Sand um die Weite exakt messen zu können...