Dienstag, 6. Januar 2009

Wait to be seated

Jetzt, es ist erst Montag Abend, ist schon einiges geschehen. Während ich mir den Fang des Tages servieren lasse (oh, wie das klingt) kann ich schon das erste Resümee ziehen.
Hätte ich gewusst, dass in meiner Unterkunft amerikanisches Frühstück serviert wird, wäre die Vorfreude noch größer gewesen. Gerade im Urlaub, wo ich tagsüber mehr Energie verbrauche als üblich mag ich morgens deftig essen. Direkt am Meer, den Pelikanen und Seeschwalben beim Fischen zuschauend, begann der Tag angenehm spät. Nach österreichischer Zeit wäre es bereits Mittag gewesen. Auf der Frühstücksterrasse sprach mich Joe an, ein groß gewachsener, kahlköpfiger Mann, dessen Stimme so rau und tief war, wie seine Haut dunkel. Das könnte man jetzt wieder so oder so verstehen. Er bot mir eine Tour ans Riff mit einem Glasbodenboot an- schnorcheln inklusive. Noch war ich nicht schnell genug mit der Umrechnung der hiesigen Währung (T&T Dollar, TiTi genannt) und ich war leicht zu überreden ein Ticket zu lösen. Ein derartiger Trip stand sowieso auf meiner imaginären Liste. Der Treffpunkt war ganz in der Nähe und die Abfahrt der etwa zweieinhalb stündigen Fahrt war bereits um elf Uhr.
An der vereinbarten Stelle war dann weder eine Anlegestelle noch ein gewisser Ronny anzutreffen. Vielleicht sind hier alle Tage länger als 24 Stunden? Die Uhren gehen anders. Später stellte sich heraus, dass ich genau richtig war, denn Ronny schlief unter einem Baum (wahrscheinlich war er länger als ich bei der Sunday School in der Buccoo Bay gestern) und Einsteigen war nur durchs Wasser möglich. Das Boot schaukelte den Wellen entsprechend. Wieder einmal könnte man das so oder so verstehen. Auf offenem Wasser mögen Wellen mit geschätzt einem schwachen Meter keine besondere Rolle spielen, wenn sich diese jedoch am Strand brechen und man vom Wasser aus mit den trocken Sachen, hoch über sich haltend in den schaukelnden Bretterverschlag (etwas übertrieben) steigen muss, hat so mancher Probleme. Zum Glück hatte das Boot - wie alle anderen auch - ein Sonnendeck, UNTER das ich mich mangels Sonnencreme verkriechen kann. Dieses Problem ließ sich dann durch Anfreunden mit Norwegern und ein wenig Creme schnorren lösen.
Die Tour selbst war eher unspektakulär (wie vermutlich alle anderen auch, denn einige Boote waren in immer in unmittelbarer Nähe). An der Stelle, wo die etwas kürzeren Ausfahrten ankern, sind nur wenige Korallen- und Fischarten zu beobachten. Außerdem ist mir das Schnorcheln nicht so wirklich geheuer. Durch den dünnen Schnorchel kann man meiner Meinung nach nicht vernünftig atmen. Wenn man kurz atmen besteht zwar kaum Gefahr, Wasser zu schlucken (und das Salzwasser hier ist besonders - mir fällt kein besseres Wort als grauslich ein - nicht verschmutzt, es ist eigentlich glasklar aber eben Salzwasser), dafür kann Sauerstoffmangel entstehen. Atmet man dagegen tief ist die Ladung Wasser, die man abbekommt ganz schön groß. Irgendwas mache ich falsch. Beim Tauchen mit Gerät ist das ganz was anderes. Kommt noch. Hoffentlich.
Die erste Meeres Erfahrung ist also gemacht. Das Wasser ist wunderbar warm und nachdem sich auch überall Fischer bewegen, Einheimische an den Stränden baden kann man auf Tobago nicht wirklich von Massentourismus sprechen.
Zurück im Hotel esse ich eine kleine Portion Fish'n'chips, sehr lecker.
Am Nachmittag war ich erfolglos auf der Suche nach einer guten Tasse Kaffee. In den vielen Lokalen, die es hier gibt dominieren selbstredend die Kühlschränke und all ihre Verwandten. Ganz in der Nähe gibt es ein Luxus-Hotel. Morgen werde ich es dort versuchen.
Die Suche brachte mich nicht zufällig nach Scarborough, der Hauptstadt der Insel. Ich geriet in die Rushhour und verpasste so den geplanten Gang zur Bank. Auch ans Tanken war nicht wirklich zu denken, die Schlange vor den Zapfsäulen sorgte für Stau auf der Straße.
Die verwinkelten Straßen - und der alte Ortskern kann nicht verleugnen, dass er aus der Kolonialzeit stammt - abseits des Hafens bringen mich bis zum Fort King George, einer alten Festungsanlage. Ausblick. Museum (fast zu). Rostige Kanonen. Riesige Bäume.
Bevor ich den Rückweg beginne, drehe ich im Ort noch einmal eine weiter erfolglose Runde, vorbei an unzähligen Shops und Autostoppern. Etwas enttäuscht biege ich kurz nach dem Ortsende rechts ab um übers Hinterland und dem Signal Point (der als solcher nicht zu erkennen war) zurückzufahren.
Pech hatte ich dann später auch mit Auswahl des Restaurants für das Abendessen. Das Watermill Restaurant wird gelobt, war aber geschlossen und ich konnte nicht erkennen, ob das nur temporär war. Vielleicht versuche ich es an einem anderen Tag noch einmal (und wenn mich nicht alles täuscht, stand am Schild "Restauran & Cafe"!).
Ein Wächter an einer Hoteleinfahrt betätigte sich dann als Informant. Iguana heißt das Lokal, ein Restaurant und CAFE. Am Eingang stand "Wait to be seatet" doch ich musste nicht warten, denn das Lokal war fast leer. Ich hatte bis jetzt noch nie Delphin gegessen und irgendwie kam mir das auch seltsam vor, der "Catch of the Day" war allerdings sehr gut und nicht besonders teuer.
Der schlechten Straßenbeleuchtung wegen stürzte ich beim Verlassen des Restaurants in einen kleinen Wassergraben neben dem Gehsteig - es ist ja niemals das Bier schuld. Damit die sich kleine Schürfwunde nicht entzündet, lies ich mich von Maria verarzten. Sie ist wirklich um das Wohl ihrer Gäste bemüht.
Durch ein weiteres Bier - ein herrlich kaltes Carib Lager - ein wenig Matsch im Kopf lies ich mich noch mit dem Souvenirverkäufer Martin - keine Ahnung wo der plötzlich herkam - auf eine Partie Billard ein, die ich dann (nur knapp) verlor. Eine Revanche ist bereits vereinbart. Glaube nicht, das mir in dieser Woche langweilig wird.