Wenn es am schönsten ist soll man aufhören, sagt man - schwer zu verstehen.
Eine letzte kalte Dusche, ein wenig Bodylotion für die sonnengestresste Haut (ich muss gerochen haben wie ein Baby) und ein letzter Blick aus dem Fenster. Einige Sachen im Gepäck sind noch feucht vom letzen Badegang.
Vor zwei Tagen ist tatsächlich passiert, ich hab mein Geld verloren. Im Seafood Restaurant (mit einem äußerst schwulen Kellner, tut aber nichts zur Sache hier) schon längst bestellt, fehlt das Geld. Nun gut, sollte es nicht immer lose einstecken. Der nächste Bankomat war gleich ein paar Häuser weiter und damit das Problem für diesen Abend gelöst. Später stellte sich heraus, dass ich es in der Badehose hatte und es erst bemerkte, als es schon völlig durchnässt war (spielt bei Geldscheinen, die etwas auf sich halten wenig Rolle). Auf der Rückfahrt meiner zweiten Inseltour querte ich noch einmal auf die karibische Seite und vergnügte mich gemeinsam mit einem Haufen Inder in der Stone Bay bei Wellen, teilweise höher als einen Meter. Den daraus entstehenden Bargeldüberfluss kompensierte ich am Sonntag Morgen (also kurz vor dem Verlassen des Hotels) nicht mit Souvenir Shopping sondern bretterte in einem Höllentempo mit einem Jet-Ski mehrmals zwischen der Store-Bay und dem Pigeon-Point hin und her. Verrückt aber unglaublich spaßig und aufregend. Ein letztes Mal Meerwasser im Gesicht (und nicht zu wenig). Die Entscheidung fiel nicht weiter schwer. Während des Frühstücks unterhielt ich mich mit den zwei Engländern, die ich im Hotel kennengelernt habe. Jane und Donald haben auch irgendwie eine Verbindung zu Tobago - habe es nicht genau verstanden, egal -, die aber die Betreiber der Jet-Skies neben dem Hotel kennen. Donald macht dann auch ein paar Fotos (bin ja sonst nur auf wenigen Selbstauslöser Fotos drauf).
Die Wahl des Hotels, obwohl nur **, war genau richtig. Viele Einheimische verkehren hier und gegen die meisten hübschen Jungs hab ich natürlich Null Chance...
Ein letztes Carib (ich habe die Biere nicht gezählt diese Woche) zum Lunch - eine Mischung aus verschiedenem der kreolischen Küche -, diesmal ohne Fisch. Nein, nicht ganz das letzte, den ich genehmige mir noch eines am Flughafen, nach dem ich bei brütender Hitze schweren Herzens den Schlüssel im Kofferraum gemeinsam mit ein paar TT fürs Benzin und einem kleinen Zettelchen eingesperrt hatte.
Am Flughafen ging es in einer Freilufthalle schon sehr geschäftig zu. Ich kühle mich in einem kleinen SB-Restaurant etwas ab, schließlich hab ich jetzt in den nächsten 24 Stunden keine Gelegenheit zu duschen. Andererseits wäre ein wenig gespeicherte Wärme nicht von Nachteil (in Frankfurt werden minus 15 Grad angekündigt). Wie ein alter Herr, der keinen Stress mehr haben will, war ich einer der Ersten, kurze zeit später entstand eine beträchtliche Schlange.
Ein letztes Mal folge ich dem Lauf der Sonne und genau diesmal versinkt sie vollständig sichtbar wie ein glühende Münze.
Frankfurt wirkte an diesem Montag Mittag nicht so geschäftig. Flughäfen, gerade die großen, sind überhaupt tolle Plätze. Nirgendwo trifft man eine derartige friedliche Fülle an Nationen, Geschichten und Motiven, die bestimmt Welt größte Interessensgemeinschaft. Bei der Anzahl an Reisenden täglich bekommen ja schon fast die Weltreligionen Konkurrenz. Eine kuriose Dichte an Shops mit Luxus und Fastfood. Manchmal unbequem, dann wieder feudal. Für 120 Minuten stand ich auf südamerikanischen Boden. Nach etwa einer halben Stunde Flugzeit war ein Stopp in Isla de Margrita (Venezuela), wo die Maschine gereinigt, betankt, das Catering erneuert und die Crew gewechselt wurde. Genau genommen war das nur ein spezieller Transitbereich für die Reisenden nach Frankfurt. Dort angekommen, rechnete ich schon beim Aussteigen aus dem Flugzeug mit dem Schlimmsten. Doch eher das Gegenteil war der Fall. Der kurze Weg vom Flugzeug zum Autobus bei minus zehn Grad war regelrecht erfrischend. Klare kalte Luft. Scheinbar bin ich doch nicht reif für die Insel..
Ohne Souvenir verließ ich also Tobago und bin ein klein wenig entsetzt. Bei den meisten Angeboten war ich der Meinung, das gefiele niemand (eine meiner typischen Schwächen, mich nicht so recht in die zu beschenkende Person hineinzuversetzen), hätte aber bei so manch anderem Stück Entwicklungshilfe geleistet.