Donnerstag, 8. Januar 2009

ohne Überschrift

Trotz allen Aktivitäten und Erlebnissen fällt es mir schwer zu ignorieren, dass ich alleine unterwegs bin. Der zweite Tag sollte den ersten noch übertreffen - hat er auch dann, in mehrerlei Hinsicht. Positiv wie negativ. Die Bootstour, die ich schon am Tag zuvor gebucht hatte begann genauso schaukelnd wie die am Montag, nur zusätzlich mit viel mehr Leuten und viel Musik. Diesmal besser ausgestattet mit Sun-Protection - zu wenig, wie sich später herausstellt - und der Leica. Es kann durchaus sein dass sich die einzelnen Anbieter dieser Touren nicht nur um die Gäste streiten, sondern auch schwere Konkurrenten im Bezug auf die Schnorchelplätze sind. Das Buccoo Reef ist ja riesig und bei meinem zweiten Versuch ein wenig zu Schnorcheln hing ich an der Rettungsleine hinter dem Boot, wo die Wellen geglättet waren und die Gefahr Wasser zu schlucken nicht sehr groß war. Ruhiger atmend, einfach eine Stelle länger beobachtend waren dann bedeutend mehr Entdeckungen zu machen. Nach mehreren Stopps drehte das Boot auf die Landzunge des No Mans Land zu um uns kurz bevor wir aussteigen einen tollen Blick auf die Mangroven der Bon Accord Lagoon zu ermöglichen. Das Wasser in der Lagune war so ruhig, dass man hervorragend in die Tiefe sehen konnte.
Der Strand hatte dann mehr zu bieten als er eigentlich sollte. Rochen schwammen bis auf wenige Meter ans Ufer, und waren genau so schnell wieder verschwunden wie Abfangjäger im Tiefflug. Ganz schön nervig war die ständige Musik. Ich mag ja Musik - aber dauern bumbum, das nervt. Ein Engländer versuchte mit einem toten Fisch die Rochen erneut anzulocken, damit alle, die bei der ersten Annäherung mit der Kamera zu langsam waren (mich eingeschlossen) eine zweite Chance bekämen. Sein Englisch war für mich gut zu verstehen. Bei einem kurze Gespräch stellt sich heraus, dass er aus dem Süden England stammt und bereits zum vierten Mal in Tobago ist und meint, jedes Mal die selben Stingrays, wie er die lautlosen Tiefflieger nennt, antrifft.
Ich vertreibe mir die Zeit mit Baden und beobachten der Natur. Jene, die mich kennen, wissen welche Geduld ich dabei aufbringen kann und an diesem Tag führte diese zu einem Sonnenbrand. Na sehr super. Zu feig, jemand zu bitten mir den Rücken einzucremen war dieser kaum geschützt. Zwischendurch einmal gefragt, ob ich den Tag genieße, log ich ein wenig...
Etwas abseits, war es ruhiger, die Boxen des krächzenden Autoradios strahlten den Reggae in eine andere Richtung. Jeder hat so seinen Maßstab für "Havin' a good time". Abends blieb ich nach der Rückfahrt kurz im Auto sitzen und genoss die Ruhe.
Ein phantastisches Abendessen bekam ich dann beim zweiten Versuch im "Watermill Restaurant" (aber leider keinen Kaffee). Richtig feudal, mit einem Kellner, der beim Einschenken des Minerals die linke Hand am Rücken hält. Ohne auf den Preis zu achten bestellte ich eine mit einem Krabbencocktail gefüllte Avocado als Vorspeise und gegrillten Fisch im Hauptgang. Wunderschön dekoriert schmeckte es noch einmal besser.

Auf der Suche nach einem ruhigen Platz bin ich dann am nächsten Tag fast die ganze Insel abgefahren. Ohne ein wirkliches Ziel nahm ich die Straße auf der Nordküste die Straße Richtung Plymouth. In dem kleinen Ort bog ich mehrmals willkürlich links und rechts ab. Vor einzigen Laden, an dem ich vorbeikam, stand ein Pick-Up mit Lautsprechern so groß wie Wagenräder und entsprechend laut entströmte diesen die Musik. Das Ding wäre bestimmt losgefahren, löse man die Handbremse...
Eine kleine Seitenstraße Richtung Nordost sollte mich wieder zurück auf die Hauptstraße bringen. Später stellt sich heraus, es war die Hauptstraße, die sich abenteuerlich durch die Hügel und der Küste entlang schlängelt. Kaum mehr als 40 km/h sind auf der kurvenreichen Straße möglich. Ein zeitlang wurde ich von einem Laster regelrecht verfolgt, den ich bereitwillig bei nächster Gelegenheit überholen ließ. Konnte nicht schneller fahren, sonst würden ich ja auch nicht die Gegend betrachten können. Immer weiter Richtung Bloody Bay rückte auch der Dschungel immer näher an die Straße, die durchgehend asphaltiert immer wieder gemeine Schlaglöcher aufwies. Die wenigen Ortschaften bestehen nur aus ein paar Häuser oder Hütten, die fast ausschließlich auf Stützen gebaut sind weil es in dem Teil der Insel kaum ebene Flächen gibt.
Bei der Überquerung der Insel nach Süden, Richtung Oberlauf des Bloody Bay Rivers fand ich im wahrsten Sinne des Wortes den Regenwald. Dicke Regentropfen begleiteten mich einige Kilometer und bleibe gerne im Auto. Auf der Südseite, schon wieder steil bergab, hielt ich an und inhalierte den Atem des Dschungels. Der eindeutig ärmere Teil der Insel ist der Nordosten. Wenige Autos sind unterwegs und während der Pause von etwa 30 Minuten war es - abgesehen von den tierischen Lauten - absolut still. Einen letzten Halt mache ich in Spyside mit einem herrlichen Blick auf Little Tobago. Von einer Bucht zur nächsten ist der Rückweg nicht weniger kurvenreich, aber ungleich dichter besiedelt. Viel spielt sich direkt neben der Straße ab und vor den Minimarkets, die meist kleiner sind als bei uns eine Trafik, sitzen ein paar Leute.

Und ich feige Nuss bleib kaum stehen um Fotos zu machen. Hätt ja auch den Verkehr aufgehalten. Naja, vielleicht ein anderes Mal, die anderen machen das ja auch.